
Steil ragt der Fels aus dem Meer empor, gut 80 Meter hoch. Auf seiner Spitze thront eine wuchtige Festung, die Mauern scheinen geradezu aus dem Gestein zu wachsen. „Terra Murata“, gemauerte Erde, nennen die Italiener diesen Bau auf der Insel Procida. Der alte Adelspalast, 158 Jahre lang als Gefängnis genutzt, leuchtet hell über dem Meer. Nach Jahrzehnten des Verfalls ist ein Teil davon nun wieder zugänglich – für Besucher, die heute ganz freiwillig kommen.
Gemächlich fährt die Fähre durch den Golf von Neapel, lässt Stadt und Vesuv hinter sich. Es ist früher Vormittag, etwas Dunst liegt über der See. Das Schiff dreht nach Norden ab und gibt den Blick auf die Inseln frei, noch liegen Procida und Ischia scheinbar verwoben ineinander. Als sich der Dunst lichtet, taucht als Erstes der Burgberg auf. Erhaben. Aber auch bedrohlich. Angekommen im Hafen, geht es zunächst an bunten Häuschen in Pastelltönen vorbei, an Tante-Emma-Läden. Und am Klub der pensionierten Kapitäne. An der Bar Roma biegt rechts die Via Vittorio Emanuele ab.